| Die Dynasten von Lichtenstein |
![]() Obwohl Greifenstein länger überdauert hat als Lichtenstein und heute als staatliche Ruine weithin sichtbar ist als eine besondere Attraktion für Besucher von nah und fern, so ist kaum bekannt, dass die Familie der Adligen von Greifenstein schon im Mittelalter ausgestorben ist - genau wie die Herren von Lichtenstein.
Für die Territorial-Geschichte und als reichbegüterte Landesherren stehen immer die Greifensteiner an erster Stelle. Dabei dürften die einstigen Herren auf dem "Lichtenstein" nicht weniger bedeutend gewesen sein, wie aus den noch erhaltenen Urkunden hervorgeht.
Es lässt sich eindeutig belegen, dass die Lichtensteiner Verwandte der Greifensteiner waren, die sich in Urkunden als Vetter bezeichnen; man kann sie als eine Seitenlinie betrachten. Die Wappengleichheit scheint dies zu bestätigen. Beide führen ein Ständerkreuz oder vier diagonal gestellte und gezahnte Blätter im Schild. Nur die Tinkturen - Greifenstein gründe Blätter auf Gold bzw. goldenes Ständerkreuz und Lichtenstein rote Blätter auf Silber bzw. silbernes Ständerkreuz - bilden den Unterschied.
Lichtenstein hat im Bewußtsein der Bevölkerung nur als "Burgberg Lichtenstein", südwestlich von Greifenstein an der ehemaligen "Hohe Straße" gelegen, überdauert.
Früher nannte man die Wiesen unterhalb des Burgberges im Ulmtal "am Grünwieser Schloß". Heute befindet sich hier das obere Ende der Ulmtalsperre, die mit ihrem Damm das Tal sperrt und einen Teil der Grünwiesen unter Wasser gesetzt hat.
Rechts vom Burgberg, der kegelförmig aufragt und heute mit Wald bedeckt ist (wie auch die Umgebung) führt der Weg durch ein kleines Tal nach oben. Geradeaus gelangt man auf die "Hohe Straße" und weiter nach Greifenstein. Auf halber Höhe geht es links ab in eine Vertiefung auf ein kleines Plateau. Die Vertiefung, der sogenannte "Halsgraben", künstlich angelegt, trennt den weiter aufsteigenden Berg vom genannten Plateau, auf dem die einstige Burg Lichtenstein stand.
Geringe Mauerreste erinnern noch an die Anlage von bescheidenen Ausmaßen, da der Platz von seinem Umfang nicht mehr hergab.
Der Halsgraben, bei vielen Burgen anzutreffen, die auf einem Bergsporn stehen, ist die erste Verteidigungsanlage, an der auch meistens, der Angreiferseite zugewandt, der Bergfried steht. Bei Lichtenstein ist dies noch nicht nachgewiesen.
Die Anlage hat schon vor 1280 (um 1225 errichtet?) bestanden, zuletzt vermutlich als Ganerbenburg, d.h. es gab anteilig mehrere Besitzer, wie es bei vielen anderen Burgen auch der Fall war. Vielfach durch verwandtschaftliche Beziehungen bedingt, unterhielt man gemeinsam diese Verteidigungsanlage, was nicht immer von großem Nutzen war, da man sich meistens um die Kosten stritt.
Da, wie schon wie erwähnt, "Greifenstein" und "Lichtenstein" gemeinsam ihre Interessen vertraten, ereilte sie auch ein gemeinsames Schicksal.
Himmelsreich schreibt in seiner "Greifensteiner Chronik":
"zu Ihren nächsten Nachbarn hatten sie, die Grafen von Nassau und Solms, welche nach den Greifensteiner Besitzungen trachteten."
Im Jahr 1280 griffen die Grafen Otto (+1290) zu Nassau-Dillenburg (hierzu Arnoldi: "Graf Otto hatte bei der Teilung vom 17.Dez.1255 die Länder rechts der Lahn mit Siegen, Dillenburg und Herborn erhalten und Graf Walram die Länder links der Lahn mit Idstein und Weilburg) und Graf Heinrich zu Solms-Burgsolms (+1314) die Herren von Greifenstein und Lichtenstein an und zerstörten deren gleichnamige Burgen.
Seit dieser Zeit liegt die Burg Lichtenstein in Trümmern !
Greifenstein wurde danach wieder aufgebaut, Burg Lichtenstein nicht mehr. Damit war auch der Niedergang der Herren von Lichtenstein vorgezeichnet, die nach und nach ihre Güter veräußerten und schließlich ausstarben.
Vermutlich wohnten die Lichtensteins nach der Zerstörung der Burg auf einem Hof im nahe gelegenen Wallendorf, die Ruine blieb weiterhin in ihrem Besitz und gelangte mit Irmgard, der Erbtochter Wittekinds, des letzten von Lichtenstein, 1360 an ihren Gemahl, Kraft von Rodenhausen.
Dieser verkaufte 1363 die ihm zugefallenen restlichen Güter, so auch den Burgberg, an den Grafen Johann zu Nassau (+1365), Enkel des Grafen Otto. Dadurch konnte Graf Johann die schon in seinem Besitz befindlichen Lichtensteinischen Güter in Driedorf mit den Rest vereinen.
Erst sehr viel Später gelangten die Grafen zu Solms in den Besitz des Burgberges. Auf der Ulm war Graf Johann I. zu Nassau-Dillenburg (+1416) nicht unumschränkter Besitzer, sondern auch Nassau-Weilburg hatte dort noch Anteile.
Diese konnte Graf Johann IV. zu Solms-Burgsolms, genannt "Springsleben" (+1402) zusammen mit seinem Sohn, Graf Johann VI (+1415 / letzter der Linie Burgsolms auf Greifenstein) von Graf Philipp zu Nassau-Saarbrücken am 16,3,1395 erwerben. Dazu gehörte Berg und Hof zu Lichtenstein, der Zehnte auf der Ulm und Teile, die Philipp von Kraft von Rodenhausen und seiner Frau Irmgard von Lichtenstein erworben hatte.
Es sind hier noch zwei Lehnssachen zu erwähnen, die vermutlich mit denen von Lichtenstein in Zusammenhang stehen, obwohl eine familiäre Verbindung nicht nachgewiesen werden kann.
Graf Bernhard zu Solms-Braunfels (+1459) belehnt "am 6. Juli 1448 den Henne von Lichtenstein mit dem Mönchhof zu Niedershausen auf der Ulm und dem Zehnten daselbst zu Landsiedelrecht (Anlage von Bauerngütern) gegen eine Abgabe von 3 Malter Korn Wetzlarer Maßes, die zu Michaelis nach Greifenstein zu liefern waren.
Henne von Lichtenstein, der dem Grafen 6 Gulden schuldig war, versprach am gleichen Tage, dafür eine eiserne Büchse, also ein Geschütz (Hakenbüchse) zu liefern (so Friedrich Uhlhorn in "Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter)
Die Waldschmiede bei Allendorf verlieh er 2 Jahre später an Peter von Lichtenstein auf 6 Jahre gegen einen jährlichen Zins von 50 Gulden.
Weitere Urkunden sind nicht bekannt, auch nichts über den Verbleib der beiden, die sich "Lichtenstein" nannten. Man kann vermuten, dass Henne der Vorbesitzer der schon vor 1420 bestehenden Waldschmiede war und diese an Peter weiterverliehen wurde.
Im Ulmtal gab es genügend Eisenvorkommen, um hier das benötigte Rohmaterial zu erhalten.
Unterhalb des Lichtensteins, am östlichen Ufer der Ulmtalsperre, findet man noch rote Einschlüsse im aufragenden Felsgestein - Eisensteinvorkommen -, die einmal vor langer Zeit im Tagebau gewonnen und in sogenannen Rennöfen zu schmiedbaren Eisen verarbeitet wurden.
Auf dem heute mit Wald bestandenen Burgberg ist kaum noch etwas vorhanden von dem einstigen Schloss "Lichtenstein".
Er wird heute von der Revierförsterei Beilstein verwaltet.
Organisiert vom Greifenstein-Verein, der den Greifenstein erhält, findet alljährlich die "Drei-Burgen-Wanderung" statt, beginnend von Greifenstein über Lichtenstein, Beilstein und zurück.
Dabei wird auch die seit 1280 verlassene Burg Lichtenstein geschichtlich dargestellt.
Autor: Arno W. Fritzler, Braunfels (c) copyrightgeschützt
Quellen:
Arnoldi, Johannes: Geschichte der Oranien Nassauischen Länder und Ihre Regenten 1.Band, Hadamar 1799
Himmelreich, F.H: Greifensteiner Chronik...Wetzlar 1903
Reese, Bernd: Burg und Herrschaft Greifenstein in : Burg Greifenstein im Westerwald .. Hg. Greifenstein-Verein e.V, Greifenstein 1988
Uhlhorn, Friedrich: Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter, Leipzig 1931
Stammtafel des mediatisierten Hauses Solms, Verein Deutscher Standesherren, 1833.
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